UNSERE GESCHICHTE

Auszug aus dem Bericht der Schwäbischen Zeitung Ehingen aus dem Hause Feger, geschrieben von Rosi Schaupp, veröffentlicht am 29. März 1993 

Die Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages mit Esztergoms Oberbürgermeister

Erinnerung an die Ungarn-Hilfe zur Wende in der DDR

Ehingen. (rs) "Wir erleben in dieser Stunde ein Stück Zusammenwachsen in Europa, ein Stück Mitarbeit an der europäische Integration, einen Baustein für eine friedliche Zukunft in Freiheit", so der Oberbürgermeister der Stadt Ehingen am Samstagvormittag in der Feierstunde, die der Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages zwischen der ungarischen Stadt Esztergom und der Stadt Ehingen vorausging.

Seit den ersten Kontakten vor drei Jahren sei die Verbindung nach Ungarn gewachsen, "die kleine Pflanze Freundschaft haben wir gepflanzt, nun soll ein großer Baum draus wachsen". Die Entfernung zu der Partnerstadt an der ungarischen Donau sei nicht klein, doch sie sei überwindbar. Die Gründung eines Partnerschaftsvereins, der von Ehinger Bürgern getragen werde, sei nun eine vordringliche Aufgabe.

Der Oberbürgermeister von Esztergom, Dr. Laszlo Könözsy, hob in seiner Ansprache ebenfalls auf die Geschichte ab. Die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts habe die Demokratie auch in den Ostblock gebracht. Nun sei Ungarn dabei, seine eigene Identität zu suchen. Als "fröhlichster Staat" im früheren Ostblock hätten Ungarns Bürger früher schon die Möglichkeit gehabt, Westeuropa zu sehen und zu erleben, allerdings nur in ihren Träumen die Möglichkeit gehabt, wie in Westeuropa zu leben. Nun habe der Donauflut die beiden Städte an seinen Ufern zusammengeknüpft und dieser Fluss solle auch ein Symbol sein für die Gedankenflut zwischen den Partnern. Während persönliche Kontakte wie Schüleraustausch und Künstlertreffen gut seien, sei im wirtschaftlichen Bereich noch nicht viel zu vermelden; die kaputte Industrie in Ungarn mäße erst aufgebaut werden. Der besondere Dank des Ungarn galt Dr. Wolf Brzoska aus Ehingen und Frau Éva Szoda aus Esztergom, die immer wieder Verbindungen geknüpft und gehalten hätten. Den Kontakt der jungen Bewohner der Partnerstädte zu einander sah der Esztergomer Oberbürgermeister als besonders wichtig, so könne die Freundschaft zur Partnerstadt von Vater zu Sohn als Erbe weitergereicht werden. - Als Gastgeschenk überreichte Dr. Könözsy ein Gemälde, das die Domstadt Esztergom zeigt." Das bekommt einen Ehrenplatz, und wenn wir ans Rathaus anbauen müssen", versprach der Ehinger OB.

Staatssekretär Gustav Wabro, seit vielen Jahren im Ministerium zuständig für Städtepartnerschaften, überbrachte die Grüße der Landesregierung zur Vertragsunterzeichnung. Die Freundschaft zwischen Baden-Württemberg und Ungarn reiche bis zu den ersten deutschen Auswanderern zurück. Die gigantischen Veränderungen im Ostblock habe niemand in Ehingen voraussehen können, als 1988 im Gemeinderat beschlossen wurde, als Partnerstadt eine Ostblockstadt zu suchen. 1988 sei für die Bundesrepublik eine wichtige Zeit gewesen, habe doch Ungarn damals Geschichte geschrieben, als die dortige Regierung, getragen von einer Welle der Sympathie, beschlossen habe, die Grenzzäune niederzureissen und in einer einzigen Nacht mehr als 10'000 Deutschen die Ausreise in den Westen zu ermöglichen. Toleranz, Freiheit, Gerechtigkeit, Menschlichkeit seien lebendige Worte in Ungarns Volk, die gleichen Grundwerte wie in der Bundesrepublik. Der Vertrag zwischen Esztergom und Ehingen sei ein weiteres Siegel für die Unterstützung Ungarns auf dem Weg in die Demokratie.

Der ungarische Generalkonsul Sandor Reges sprach vom weiten Weg zur Demokratie nach einer solchen Diktatur. Die Partnerschaft zwischen Ehingen und Esztergom könne diesen Weg verkürzen helfen; Ehingens Erfahrungen in Verwaltung und Demokratie könnten in Ungarn zum Wohl der Gemeinschaft beim Aufbau einer bürgergerechten Verwaltung und natürlich auch bei der Erhebung von Steuern von Nutzen sein.

Nach der Unterzeichnung der großformatigen Urkunden hatte Ehingens OB eine Überraschung für die Esztergomer - einen Hochzeitskuchen, den die beiden Stadtoberhäupter in bester Brautleutetradition gemeinsam anschnitten. Das Gläschen Sekt fehlte ebenfalls nicht. Die Feierstunde, zu der sich neben der 50-köpfigen Delegation aus Ungarn auch die Spitze der Ehinger Stadtverwaltung, Abordnungen von Polizei, Feuerwehr, Bürgerwache und interessierte Ehinger Bürger eingefunden hatten, wurde umrahmt von drei Solisten aus der Partnerstadt, die Werke von Telemann zu Gehör brachten.  


Muttergottesbild aus Esztergom bei Gottesdienst überreicht

Ehingen. Vor ihrer Abfahrt besuchte die ungarische Delegation gestern Vormittag den Gottesdienst in der Ehinger Stadtpfarrkirche St. Blasius. Den Gottesdienst zelebrierten Pfarrer Glaser und ein Pater des Esztergomer Franziskanergymnasiums gemeinsam. Pfarrer Glaser versicherte den Gästen, die Kirchengemeinde werde die Partnerschaft mittragen. Von Esztergomer Seite wurde eine Bild der Muttergottes von Esztergom überreicht; es werde seinen Platz voraussichtlich in der Ehinger Liebfrauenkirche finden, sagte Pfarrer Glaser.



Das Bild der Muttergottes, wie es am Sonntagvormittag in St. Blasius von Esztergomer Katholiken an Ehinger Katholiken überreicht wurde. 

Der Vorstand des Partnerschaftsvereines Ehingen (Donau) e.V. setzt sich wie folgt zusammen:
1. Vorsitzende Rosi Schaupp, Schillerstr. 7, 89584 Ehingen, Fon: 07391-4322, E M@il: psv-ehingen-esztergom@gmx.net
2. Vorsitzende Hannelore Groß und Dr. Wolf Brzoska
Schriftführer Walter A. Schaupp
Kassier Herbert Ruf